Geldspielgesetz Schweiz – Was das BGS für Online-Wetten und PayPal bedeutet

Ladevorgang...
- Ein Gesetz, das den Schweizer Wettmarkt umkrempelte
- Die fünf Säulen des Geldspielgesetzes
- Netzsperre – Wie die Schweiz ausländische Anbieter blockiert
- Konzessionsmodell – Wer darf in der Schweiz Wetten anbieten?
- PayPal im Spannungsfeld des BGS
- Was bedeutet das Gesetz für Wettkunden?
- Das BGS schützt – und schränkt ein
- Was das Geldspielgesetz für Sportwetten-Kunden konkret regelt
Ein Gesetz, das den Schweizer Wettmarkt umkrempelte
Am 1. Januar 2019 trat ein Gesetz in Kraft, das für viele Schweizer Sportwetten-Fans zunächst wie eine Randnotiz klang. Kein Medienereignis, keine grossen Proteste – und trotzdem hat das Bundesgesetz über Geldspiele, kurz BGS, den gesamten Wettmarkt in der Schweiz grundlegend verändert. Was vorher in einer regulatorischen Grauzone stattfand, hat jetzt klare Grenzen.
Ich beobachte die Auswirkungen dieses Gesetzes seit seinem Inkrafttreten – und bin immer wieder überrascht, wie wenig selbst aktive Sportwetten-Fans darüber wissen. Die meisten merken nur, dass bestimmte Webseiten nicht mehr erreichbar sind oder dass PayPal keine Wetten mehr abwickelt. Das „Warum“ bleibt im Dunkeln. Und genau das möchte ich hier ändern. Denn wer das BGS versteht, versteht den gesamten Schweizer Wettmarkt – seine Möglichkeiten, seine Grenzen und die Gründe, warum Zahlungsmethoden, die anderswo selbstverständlich sind, hier nicht funktionieren.
Das BGS ist kein typisches Verbotsgesetz. Es verbietet Sportwetten nicht – es kanalisiert sie. Es legt fest, wer anbieten darf, wie der Spielerschutz funktioniert und was mit den Erträgen passiert. Der Gesamtmarkt für Lotterien und Sportwetten in der Schweiz erreichte 2024 einen Umsatz von 3,97 Milliarden Franken bei einem Bruttospielertrag von 1,25 Milliarden Franken. Das ist kein Nischenthema. Das ist eine Industrie, die klare Regeln braucht – und mit dem BGS auch bekommen hat.
In diesem Artikel nehme ich das Gesetz auseinander: seine Grundprinzipien, seine Werkzeuge, seine Auswirkungen auf Zahlungsdienstleister wie PayPal und seine praktischen Konsequenzen für jeden, der in der Schweiz auf Sport wetten will. Kein juristischer Fachjargon, aber auch keine Vereinfachungen, die am Ende mehr verwirren als erklären.
Die fünf Säulen des Geldspielgesetzes
Wenn mich jemand fragt, was das BGS eigentlich regelt, antworte ich meistens: „Stell dir fünf Türsteher vor, die gemeinsam den Eingang zum Schweizer Wettmarkt bewachen.“ Jeder hat eine andere Aufgabe, aber zusammen lassen sie nur durch, was den Regeln entspricht.
Die erste Säule ist die Unterscheidung der Spielkategorien. Das BGS trennt Geldspiele in drei Bereiche: Grossspiele wie Lotterien und Sportwetten, die unter interkantonale Aufsicht fallen. Spielbankenspiele wie Roulette, Poker und Automatenspiele, die eine eidgenössische Konzession brauchen. Und Kleinspiele, die auf lokaler Ebene bewilligt werden. Sportwetten gehören zu den Grossspielen – das ist wichtig, weil es bestimmt, welche Behörde zuständig ist und welche Regeln gelten.
Säule zwei betrifft die Monopolstruktur. Swisslos und Loterie Romande sind die einzigen Organisationen, die in der Schweiz Lotterien und Sportwetten durchführen dürfen. Dieses Recht basiert auf der Interkantonalen Vereinbarung über die Aufsicht sowie die Bewilligung und Ertragsverwendung von interkantonal oder gesamtschweizerisch durchgeführten Grossspielen. In der Praxis bedeutet das: Wer in der Deutschschweiz oder im Tessin eine legale Sportwette platzieren will, tut das bei Swisslos und deren Produkt Sporttip. In der Romandie bei der Loterie Romande. Private Unternehmen, egal ob schweizerisch oder ausländisch, haben keinen Zugang zu diesem Markt. Das ist keine Grauzone – es ist ein klares Nein.
Die dritte Säule ist der Spielerschutz. Das BGS verpflichtet alle Anbieter zu konkreten Massnahmen gegen problematisches Spielverhalten. Dazu gehören Spielsperren, Informationspflichten und Beiträge an die Suchtprävention – finanziert durch eine Abgabe von 0,5 Prozent der Bruttospielerträge, was jährlich rund 4,5 bis 5 Millionen Franken ergibt. Diese Abgabe ist nicht freiwillig, sondern gesetzlich verankert – kein Anbieter kann sich davon freikaufen oder sie umgehen. Das Geld fliesst direkt in Forschung, Beratungsangebote und Aufklärungskampagnen.
Säule vier regelt die Ertragsverwendung. Die Gewinne aus Grossspielen fliessen nicht in private Taschen, sondern an gemeinnützige Zwecke. 2024 verteilte allein Swisslos 595,7 Millionen Franken an 20 Kantone, Liechtenstein und den nationalen Sport. Dieses Modell ist ein zentrales Argument für die Monopolstruktur – und einer der Gründe, warum eine Marktöffnung politisch schwer durchzusetzen ist.
Die fünfte Säule schliesslich ist die Durchsetzung: Netzsperren gegen ausländische Anbieter, Sanktionen bei Verstössen und eine aktive Aufsicht durch die Gespa als interkantonale Geldspielaufsicht und die ESBK als Eidgenössische Spielbankenkommission.
Was diese fünf Säulen gemeinsam ergeben, ist ein geschlossenes System. Kein Element funktioniert isoliert. Die Monopolstruktur wäre ohne Netzsperren nicht durchsetzbar. Die Ertragsverwendung wäre ohne das Monopol nicht garantiert. Der Spielerschutz wäre ohne die Aufsicht nicht kontrollierbar. Man kann einzelne Säulen kritisieren – und ich tue das bei Gelegenheit -, aber man muss anerkennen, dass das Gesamtgebäude eine innere Logik hat, die über reines Verbotsdenken hinausgeht.
Netzsperre – Wie die Schweiz ausländische Anbieter blockiert
Die Netzsperre ist das Instrument, über das am meisten diskutiert wird – und das am wenigsten verstanden wird. Wenn ich auf Konferenzen darüber spreche, höre ich regelmässig zwei Reaktionen: „Das ist doch Zensur!“ und „Die kann man doch einfach umgehen.“ Beide Aussagen sind zu kurz gedacht.
Technisch handelt es sich um DNS-Sperren. Schweizer Internetprovider sind gesetzlich verpflichtet, den Zugang zu Webseiten ausländischer Glücksspielanbieter zu blockieren, die keine Schweizer Konzession haben. Die ESBK führt eine Sperrliste, die regelmässig aktualisiert wird. Wenn ein Schweizer Nutzer eine gesperrte Adresse aufruft, wird die Verbindung umgeleitet – auf eine Informationsseite, die erklärt, warum der Zugang blockiert ist. Das Verfahren ist standardisiert und betrifft alle grossen Internetprovider des Landes gleichermassen.
Swisslos hat das in einer offiziellen Stellungnahme klar formuliert: Trotz des neuen Gesetzes versuchen immer noch einige wenige, Schweizer Kundinnen und Kunden gezielt und illegal auf ihre Webseiten zu locken und die Schweizer Gesetze zu umgehen. Die Netzsperre ist die technische Antwort auf dieses Problem. Sie schützt den regulierten Markt und indirekt die Spieler, die bei lizenzierten Anbietern einen garantierten Spielerschutz geniessen.
Ist die Netzsperre perfekt? Nein. VPN-Dienste ermöglichen es, die DNS-Sperre zu umgehen. Aber das BGS hat bewusst darauf verzichtet, die VPN-Nutzung selbst unter Strafe zu stellen – der Fokus liegt auf den Anbietern, nicht auf den Spielern. Trotzdem rate ich davon ab, die Sperre zu umgehen. Wer bei einem nicht lizenzierten Anbieter spielt, hat keinen Rechtsschutz bei Streitigkeiten, keinen garantierten Spielerschutz und keine Gewissheit, dass der Anbieter seriös operiert. Für eine detaillierte Analyse der legalen Wettanbieter und ihrer Rahmenbedingungen empfehle ich den separaten Artikel.
Was die Netzsperre für den Zahlungsverkehr bedeutet, wird selten thematisiert. Wenn ein Schweizer Nutzer die Sperre umgeht und bei einem ausländischen Anbieter einzahlt, greift der Schutzmechanismus der Netzsperre nicht mehr – aber die Zahlungsdienstleister haben ihre eigenen Kontrollsysteme. PayPal blockiert Gambling-Transaktionen in der Schweiz unabhängig von der Netzsperre, über seine eigene Richtlinie. Kreditkartenunternehmen können Transaktionen mit Gambling-MCCs – das sind die Branchencodes, die jeder Händler bei Kartenzahlungen übermittelt – ebenfalls ablehnen. Die Netzsperre ist also nur eine Schicht in einem mehrstufigen System, das ausländische Anbieter vom Schweizer Markt fernhalten soll.
Konzessionsmodell – Wer darf in der Schweiz Wetten anbieten?
In der Schweiz gibt es 21 Konzessionen für landbasierte Casinos. 11 davon beinhalten eine erweiterte Online-Konzession, die es den Casinos erlaubt, ihre Spiele auch über das Internet anzubieten. Für Sportwetten gelten andere Regeln – sie laufen nicht über das Casino-Konzessionsmodell, sondern über die interkantonale Vereinbarung.
Das klingt abstrakt, hat aber eine sehr konkrete Konsequenz: Ein Schweizer Unternehmer, der morgen beschliesst, eine Sportwetten-Plattform zu gründen, kann das schlicht nicht tun. Die Konzession für Sportwetten liegt exklusiv bei den beiden Lotteriegesellschaften. Es gibt kein Bewerbungsverfahren, keine Lizenzauktion, kein offenes Marktzugangsmodell wie in Grossbritannien oder Malta. Die Schweiz hat sich bewusst für ein geschlossenes System entschieden – und verteidigt diese Entscheidung mit dem Argument, dass die Ertragsverwendung für gemeinnützige Zwecke nur in einem kontrollierten Umfeld garantiert werden kann.
Die Gespa – die interkantonale Geldspielaufsicht – überwacht dieses System. 2024 genehmigte sie 55 neue Spiele für die Schweizer Lotteriegesellschaften und 76 Änderungsbewilligungen für bestehende Angebote. Das zeigt: Innerhalb des regulierten Rahmens gibt es durchaus Dynamik und Innovation. Aber die Türen für neue Marktteilnehmer bleiben verschlossen.
Ein Vergleich mit den Nachbarländern macht die Besonderheit deutlich. Deutschland hat 2021 mit dem Glücksspielstaatsvertrag ein Lizenzmodell eingeführt, bei dem sich Anbieter um Konzessionen bewerben können. Österreich hat ein staatliches Monopol, aber mit einem einzigen Konzessionär und separaten Online-Lizenzen. Die Schweiz geht einen dritten Weg: Monopol für Sportwetten, aber aufgeteilt auf zwei regionale Organisationen, und ein separates Konzessionsmodell für Casinos. Kein anderes Land in Europa hat diese spezifische Kombination.
Für Wettanbieter aus dem Ausland bedeutet das: Egal wie gross, wie seriös oder wie bekannt sie sind – ohne Schweizer Konzession dürfen sie keine Schweizer Kunden bedienen. Und diese Konzession ist nach aktuellem Recht schlicht nicht erhältlich. Ob das langfristig so bleibt, ist eine politische Frage. Kurzfristig gibt es keine Anzeichen für eine Änderung.
Die Debatte um eine Marktöffnung flammt zwar immer wieder auf. Befürworter argumentieren mit Konsumentenfreiheit, besseren Quoten und mehr Wettbewerb. Gegner verweisen auf den Spielerschutz und die Milliarden, die über das aktuelle System in gemeinnützige Projekte fliessen. Solange die zweite Gruppe in der Bundesversammlung die Mehrheit hat – und davon ist auszugehen -, bleibt das Konzessionsmodell in seiner aktuellen Form bestehen. Für Zahlungsdienstleister wie PayPal hat das direkte Konsequenzen: Es gibt keinen legalen Schweizer Partner, mit dem sie im Wettmarkt zusammenarbeiten könnten, selbst wenn sie wollten.
PayPal im Spannungsfeld des BGS
Warum blockiert PayPal Sportwetten in der Schweiz? Diese Frage bekomme ich häufiger gestellt als jede andere. Die Antwort liegt im Zusammenwirken zweier unabhängiger Regelwerke, die in der gleichen Richtung wirken. Und sie ist komplexer, als die meisten Ratgeber im deutschsprachigen Raum zugeben.
Auf der einen Seite steht PayPals eigene Glücksspielrichtlinie. Die Acceptable Use Policy des Unternehmens formuliert es unmissverständlich: Sofern PayPal den Händler nicht zugelassen hat, dürfen Kontoinhaber PayPal nicht verwenden, um Zahlungen für Glücksspiel zu senden oder zu empfangen. PayPal arbeitet selektiv mit lizenzierten Glücksspielanbietern zusammen – aber nur in Märkten, in denen das regulatorische Umfeld eine solche Zusammenarbeit erlaubt und für PayPal wirtschaftlich sinnvoll macht. Die Schweiz gehört nicht dazu. Und selbst wenn PayPal morgen beschliessen würde, in den Schweizer Markt einzutreten, müsste es einen legalen Partner finden – und genau da beginnt das Problem.
Auf der anderen Seite steht das BGS. Da Swisslos und Loterie Romande die einzigen legalen Sportwetten-Anbieter sind und beide PayPal nicht in ihre Zahlungsoptionen aufgenommen haben, gibt es schlicht keinen legalen Partner für PayPal im Schweizer Wettmarkt. Ausländische Buchmacher, die PayPal akzeptieren, sind über die Netzsperre blockiert. PayPal hat also weder einen legalen Schweizer Partner noch einen Anreiz, die Situation zu ändern – der Schweizer Markt ist für PayPals Gambling-Sparte schlicht zu komplex und zu klein.
2003 hatte PayPal die Zusammenarbeit mit Online-Glücksspiel-Anbietern freiwillig beendet. Erst 2010 kehrte der Zahlungsdienstleister selektiv zurück – ausschliesslich mit lizenzierten Anbietern in Märkten, in denen Glücksspiel legal und reguliert ist. Die Schweiz fällt durch dieses Raster, weil der Markt zwar reguliert, aber für PayPal faktisch nicht zugänglich ist. Ein Paradox, das sich ohne Gesetzesänderung nicht auflösen lässt.
In Deutschland, wo PayPal den zweitgrössten Nutzermarkt weltweit hat, ist die Situation anders. Dort arbeitet PayPal mit lizenzierten Sportwetten-Anbietern zusammen, weil der deutsche Glücksspielstaatsvertrag ein offenes Lizenzmodell vorsieht. In der Schweiz gibt es kein solches Modell. Das BGS schafft einen regulierten Markt, aber einen, der für externe Zahlungsdienstleister verschlossen ist – nicht durch ein Verbot, sondern durch eine Struktur, die keinen Platz für sie vorsieht. Es ist, als ob man eine Tür baut, die technisch nicht verschlossen ist, aber zu der kein Schlüssel existiert.
Was bedeutet das Gesetz für Wettkunden?
438 Franken – so viel gibt ein Schweizer Einwohner im Durchschnitt pro Jahr für Lotterien und Sportwetten aus. Davon fliessen 301 Franken als Gewinne zurück, was Nettospielausgaben von 138 Franken ergibt – sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Diese Zahlen aus der Gespa-Statistik 2024 zeigen: Sportwetten sind in der Schweiz kein Randphänomen, sondern ein Massenmarkt, der Millionen von Menschen betrifft. Und dieser Massenmarkt wird durch das BGS in ein enges Korsett geschnürt, das die alltägliche Erfahrung jedes Wettkunden prägt.
Für diese Millionen bedeutet das BGS im Alltag drei Dinge. Erstens: Die Auswahl an Anbietern ist radikal eingeschränkt. Während ein Sportwetten-Fan in Deutschland zwischen Dutzenden lizenzierter Buchmacher wählen kann, stehen in der Schweiz effektiv zwei Adressen zur Verfügung. Das schränkt den Wettbewerb ein, garantiert aber eine einheitliche Qualität des Spielerschutzes.
Zweitens: Gewinne aus Sportwetten bei legalen Schweizer Anbietern sind bis zu einer Million Franken steuerfrei. Das BGS hat diese Regelung eingeführt, um einen Anreiz für legales Spielen zu schaffen. Bei ausländischen Anbietern ohne Schweizer Konzession gilt diese Steuerbefreiung nicht – ein weiteres Argument für den regulierten Markt. In der Praxis betrifft die Steuergrenze die wenigsten Spieler – wer eine Million Franken mit Sportwetten gewinnt, hat entweder enormes Glück oder ein Transaktionsvolumen, das andere Fragen aufwirft. Aber das Prinzip ist wichtig: Der Staat belohnt legales Verhalten mit einem steuerlichen Vorteil.
Drittens: 25 Prozent der Schweizer Bevölkerung haben in den letzten 12 Monaten eine Sportwette platziert, wobei 13 Prozent der Wettenden dies mehrmals wöchentlich tun. Das BGS stellt sicher, dass diese Aktivität in einem kontrollierten Rahmen stattfindet – mit Einzahlungslimits, Selbstsperren und verpflichtenden Informationen über die Risiken des Glücksspiels. Ob man das als Bevormundung oder als Schutz empfindet, hängt von der Perspektive ab. Aus meiner Erfahrung überwiegt der Nutzen – gerade bei den Spielern, die es am dringendsten brauchen.
Ein Aspekt, der in der öffentlichen Debatte selten zur Sprache kommt: Das BGS hat auch die Zahlungslandschaft für Wettkunden verändert. Vor 2019 konnten Schweizer bei ausländischen Anbietern mit praktisch jeder Zahlungsmethode einzahlen – Kreditkarte, E-Wallet, sogar Banküberweisung. Seit der Netzsperre und der verschärften Compliance-Anforderungen haben viele Zahlungsdienstleister ihre Schweiz-Strategie angepasst. PayPal hat die Türen geschlossen, Kreditkartenunternehmen prüfen Transaktionen genauer, und E-Wallets wie Skrill und Neteller agieren vorsichtiger bei Schweizer Konten. Für den Wettkunden bedeutet das: Der Zahlungsweg ist nicht mehr frei wählbar, sondern wird durch das regulatorische Umfeld vorgegeben. Das ist eine Einschränkung der Bequemlichkeit, aber auch ein Schutz vor unkontrollierten Ausgaben bei nicht lizenzierten Anbietern.
Das BGS schützt – und schränkt ein
Das Geldspielgesetz ist kein perfektes Gesetz. Die Monopolstruktur begrenzt den Wettbewerb, die Netzsperre hat technische Lücken, und die Frage, ob ein geschlossener Markt langfristig besser vor Spielsucht schützt als ein offener, regulierter Markt, ist unter Fachleuten umstritten. 4,3 Prozent der Schweizer Erwachsenen zeigen problematisches Spielverhalten – eine Zahl, die trotz BGS steigt, nicht sinkt.
Was das BGS aber leistet, ist Klarheit. Jeder Schweizer Sportwetten-Fan weiss – oder kann wissen -, welche Anbieter legal sind, welche Rechte er hat und welche Schutzmassnahmen greifen. Die Erträge fliessen in gemeinnützige Zwecke statt in Offshore-Konten. Swisslos allein hat 2024 fast 596 Millionen Franken an Kantone und den Sport verteilt. Und Zahlungsdienstleister wie PayPal haben einen klaren Rahmen, in dem sie operieren können – oder eben nicht.
Für PayPal ist dieser Rahmen derzeit eine Sackgasse. Ohne Zugang zu legalen Schweizer Anbietern und ohne Anreiz, in einen kleinen, monopolisierten Markt zu investieren, bleibt die Blockade bestehen. Das BGS ist nicht der einzige Grund, warum PayPal in der Schweiz keine Sportwetten abwickelt – aber es ist der Grund, warum sich daran so schnell nichts ändern wird.
Meine persönliche Einschätzung nach Jahren der Beobachtung: Das BGS wird in seiner Grundstruktur bestehen bleiben. Einzelne Anpassungen sind denkbar – etwa bei den Netzsperren, bei der Anzahl zugelassener Online-Casino-Konzessionen oder bei der Höhe der Präventionsabgabe. Aber die Monopolstruktur für Sportwetten, das Kernstück des Gesetzes, wird nicht ohne weiteres aufgebrochen. Zu viele Kantone, zu viele gemeinnützige Empfänger und zu viele politische Akteure profitieren vom Status quo. Wer darauf wartet, dass PayPal in der Schweiz für Sportwetten freigeschaltet wird, wartet auf eine Gesetzesänderung, die niemand ernsthaft vorantreibt.
Was das Geldspielgesetz für Sportwetten-Kunden konkret regelt
Was sagt das Geldspielgesetz zu Online-Sportwetten?
Das BGS erlaubt Online-Sportwetten in der Schweiz ausschliesslich über die beiden zugelassenen Lotteriegesellschaften Swisslos und Loterie Romande. Ausländische Online-Wettanbieter sind über Netzsperren blockiert. Das Gesetz trat am 1. Januar 2019 in Kraft und regelt neben der Anbieterzulassung auch den Spielerschutz, die Ertragsverwendung und die Sanktionen bei Verstössen.
Sind ausländische Wettanbieter in der Schweiz strafbar für Spieler?
Das BGS richtet seine Sanktionen primär gegen die Anbieter, nicht gegen die Spieler. Die Nutzung ausländischer, nicht konzessionierter Wettseiten ist für Schweizer Kunden nicht direkt strafbar. Allerdings haben Spieler bei solchen Anbietern keinen rechtlichen Schutz bei Streitigkeiten, und Gewinne unterliegen unter Umständen der Steuerpflicht, da die Steuerbefreiung nur für Gewinne bei legalen Schweizer Anbietern gilt.
Wie funktioniert die Netzsperre gegen illegale Wettseiten?
Schweizer Internetprovider sind gesetzlich verpflichtet, den Zugang zu Webseiten nicht lizenzierter Glücksspielanbieter zu blockieren. Technisch handelt es sich um DNS-Sperren, die von der ESBK verwaltet werden. Beim Aufruf einer gesperrten Adresse wird der Nutzer auf eine Informationsseite umgeleitet. Die Sperrliste wird regelmässig aktualisiert, um neue illegale Angebote zu erfassen.
Können sich Schweizer Wettanbieter um eine Online-Konzession bewerben?
Für Sportwetten gibt es kein offenes Konzessionsverfahren. Das Recht zur Durchführung von Lotterien und Sportwetten liegt exklusiv bei Swisslos und Loterie Romande, gestützt auf die interkantonale Vereinbarung. Eine Bewerbung durch andere Unternehmen ist nach geltendem Recht nicht vorgesehen. Für Casino-Spiele existiert ein Konzessionsmodell mit 21 Lizenzen, von denen 11 eine Online-Erweiterung beinhalten.
Erstellt von der Redaktion von „Paypal Wetten“.
